Discounter verdrängen die Traditionsbäckereien in Velbert

VELBERT.   Die Zahl der Backbetriebe in Velbert ist zurückgegangen. Die Konkurrenz durch Discounter ist groß, Traditionsbäcker ist trotzdem zuversichtlich.

Immer schwerer zu kauen haben schon seit einiger Zeit die Traditionsbäckereien – auch in Velbert. So musste in der Stadt beispielsweise die bekannte Bäckerei Richrather Mühle 2015 ihre Pforten schließen.

 

Das war auch nicht der einzige Backbetrieb, der hier dicht machte: Nach Angaben der Handwerkskammer Düsseldorf gab es im Jahr 2005 noch 16 Bäckereien mit Sitz in Velbert – im vergangenen Jahr waren es nur noch sieben (in dieser Zahl sind Filialen sowie Niederlassungen von Großbäckereien, die aus einer anderen Stadt kommen, nicht enthalten).

 

Produktionsstandards bei Discountern fraglich

Für die stete Abnahme an Bäckereien gibt es auch einige Gründe. So schildert Frank Köster, Geschäftsführer der Bäcker-Innung Rhein-Ruhr Duisburg, der die Velberter Bäckereien angeschlossen sind: „Besonders die Konkurrenz durch die Discounter setzt den inhabergeführten Bäckereien stark zu.“ Doch müssten sich Kunden fragen, ob sie da nicht am falschen Ende sparten, denn: „Dann geht auch der Bäcker an der Ecke und die Infrastruktur im Stadtteil kaputt.“

 

 Handarbeit wird in Traditionsbäckereien großgeschrieben. „Das wissen die Leute zu schätzen“, meint Marco Mittelmann.

Handarbeit wird in Traditionsbäckereien großgeschrieben. „Das wissen die Leute zu schätzen“, meint Marco Mittelmann.

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Zudem müsse man sich vor Augen halten, warum die Waren beim Discounter – oder auch in Billigbäckereien – so günstig seien. „Da wird über die Masse der Preis gedrückt. Manche Unternehmen lassen auch im Ausland Back-Rohlinge produzieren, die dann zum Beispiel beim Discounter aufgebacken werden. Ob da deutsche Produktionsstandards eingehalten werden, ist die Frage“, meint Köster.

 

Wenige Ausbildungsmöglichkeiten im Bäckerhandwerk

Zudem gehe durch das Sterben von inhabergeführten Bäckereien auch jede Menge Vielfalt verloren. „Fachbäcker produzieren etwa noch verschiedene Sorten an frischen Kuchen, die Sie so sonst nicht bekommen. Auch nehmen Traditionsbäckereien vielleicht echten Pudding oder Vanilleschoten für eine Puddingbrezel oder können verschiedene Sorten an Spezialbrot oder auch eine Hochzeitstorte machen“, so Köster weiter.

 

Durch die abnehmende Zahl an Fachbäckereien gebe es daneben immer weniger Ausbildungsmöglichkeiten für junge Menschen im Bäckerhandwerk.

Dies führe dann auch dazu, dass Bäckermeister oft keine Nachfolger für ihr Geschäft fänden. Und: „Auch die steigende Bürokratie mit ihren neuen Vorgaben wie etwa Hygiene- oder Lenkvorschriften beim Ausliefern der Waren treffen kleine Bäckereien“, führt Köster aus.

 

Menschen legen Wert auf Handwerk

Auch Marco Mittelmann kennt das Problem für Bäckereien, Nachwuchs zu finden: „Als ich die Ausbildung angefangen hab, waren wir 14 Leute. Abgeschlossen haben wir sie dann zu viert“, sagt er. Der 26-Jährige selbst ist seit zwei Jahren Bäckermeister und ist in den Betrieb seiner Eltern eingestiegen.

 

BÄCKEREIEN-STERBEN Den Bäckereien im Ruhrgebiet fehlt der Nachwuchs. Gelingt der anstehende Generationenwechsel nicht, geht wohl ein großes Stück Vielfalt verloren.

Keine Nachfolger: Immer mehr kleine Bäckereien schließen

Die Bäckerei Mittelmann sei ebenfalls mit dem Problem konfrontiert, dass immer mehr Leute in den Supermärkten einkaufen gehen. „Das ist für viele halt einfacher“, versucht sich Marco Mittelmann das Problem zu erklären. Der 26-Jährige ist sich aber trotzdem sicher: „Es wird immer Menschen geben, die Wert auf die Frische und das Handwerk legen.“ Außerdem gebe es ja gerade den Trend, dass die Leute wieder mehr auf bewusste Ernährung achten. „Das kommt uns zugute“, meint der Bäckermeister.

 

Traditionsbäckerei zeigt sich zuversichtlich

Es existierten allerdings sogar Großbäckereien, die für ihre Weizenbrötchen nicht mal mehr Weizenmehl verwendeten, erklärt Marco Mittelmann. „Hier ist alles selbst gemacht und das wissen die Leute auch“, sagt der 26-Jährige. Der Traditionsbetrieb versuche dem Problem des Bäckereisterbens entgegenzuwirken, indem er Trends erkenne und mit der Zeit gehe. „Zum Beispiel mögen die Leute gerade alles aus Urgetreide“, meint Mittelmann.

 

 BÄCKERHANDWERK Die Zahl der Bäckereibetriebe geht seit Jahren zurück. Auch in Bochum. Vor allem kleine Familienunternehmen haben es schwer, sich zu behaupten.

Bäcker haben auch in Bochum einen schweren Stand

Preislich könne die Bäckerei Mittelmann halt nicht mit den Großbäckereien konkurrieren. Aber es gebe andere Vorteile, die sie zu nutzen müsse: „Wir sind jetzt seit 27 Jahren hier in Velbert, die Leute kennen uns“, weiß Marco Mittelmann. Und genau deswegen blickt der Bäckermeister auch nicht mit Sorge in die Zukunft. „Natürlich müssen wir uns das Problem immer wieder bewusst machen“, findet Mittelmann. „Aber solange die Leute unsere Produkte annehmen, werden wir auch weitermachen.“

 

WAZ

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